Presseinformation
ZF führt das Fahrwerk ins digitale Zeitalter: CES-Premiere für „AI Road Sense“ und „Active Noise Reduction“
- ZF verknüpft Hardware-Expertise mit Software und künstlicher Intelligenz und ermöglicht neue Funktionen für erhöhten Komfort und Sicherheit
- AI Road Sense: KI-basierte Softwarelösung, die Straßenzustände erkennt, das Fahrverhalten antizipiert und das Fahrwerk entsprechend anpasst
- Active Noise Reduction: ZF setzt neue Standards bei der Fahrwerkakustik und reduziert störende Reifengeräusche im Fahrzeuginnenraum
Friedrichshafen/Las Vegas. Das softwaredefinierte Fahrzeug (SDV) ist längst keine Vision mehr, sondern in der Gegenwart angekommen: Mit seiner Strategie für das Chassis 2.0 kombiniert ZF smarte Aktuatoren wie die Steer- oder Brake-by-Wire-Technologie mit Software und künstlicher Intelligenz. Dieses Systemverständnis versetzt den Technologiekonzern in die Lage, Kunden neue, markenspezifische Funktionen und zugleich personalisierte Features anbieten zu können. Auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas/Nevada präsentiert der Technologiekonzern mit „AI Road Sense“ und „Active Noise Reduction“ gleich zwei wegweisende Software-Innovationen.
„Mit unserer Strategie für das Chassis 2.0 führen wir das Fahrwerk ins digitale Zeitalter. Wir verbinden unsere Hardware-Kompetenz mit fortschrittlicher Software und künstlicher Intelligenz. Mit diesem Ansatz schaffen wir Lösungen, die den Weg für das softwaredefinierte Fahrzeug ebnen. So gestalten wir die Mobilität von morgen – sicher, intelligent, vernetzt und individuell“, sagt Dr. Peter Holdmann, Mitglied des Vorstands und Leiter der Pkw-Fahrwerktechnik.
AI Road Sense: Die Straße im Blick
Mit AI Road Sense präsentiert ZF eine KI-basierte Softwarelösung, die modernste Sensoren nutzt, um das Fahrwerk in Echtzeit an wechselnde Straßen- und Oberflächenbedingungen anzupassen – egal ob auf winterlichen Straßen, im Gelände oder beim Wechsel zwischen verschiedenen Belägen.
Die ZF-Software cubiX verarbeitet und nutzt die ermittelten Sensordaten, um die Steuerung intelligenter ZF-Aktuatoren wie zum Beispiel das semiaktive Dämpfungssystem Continuous Damping Control (CDC) oder das vollaktive Dämpfungssystem sMOTION zu koordinieren. Letzteres reagiert auf die Impulse innerhalb von einer Millisekunde und passt die Dämpfer entsprechend an.
„AI Road Sense kann dabei unterstützen, Fahrerinnen und Fahrern die Unsicherheit vor anspruchsvollen Straßenverhältnissen zu nehmen. Das System erkennt potenziell gefährliche Situationen in Sekundenbruchteilen und reagiert schneller, als es die menschliche Reaktionsfähigkeit zulässt. So entspricht das Fahrzeugverhalten stets den Erwartungen des Fahrers und stärkt das Vertrauen sowie dessen Sicherheitsgefühl am Steuer“, sagt Holdmann.
Das skalierbare System ist in drei Ausbaustufen verfügbar: Standard, Advanced und Premium. Bereits in der Standard-Konfiguration erkennt AI Road Sense mithilfe von CAN-Bus-Signalen den aktuellen Straßentyp. In der Advanced-Version kommen Kameradaten hinzu, die eine vorausschauende Oberflächenerkennung und prädiktive Analysen ermöglichen. Die Premium-Konfiguration erweitert das System um LiDAR-Technologie, die das Straßenprofil bis zu 25 Meter voraus mit einer Genauigkeit von zwei Zentimetern erfasst und ein detailliertes 3D-Geländeprofil für präzise Fahrwerkanpassungen erstellt.
Mehr Komfort, weniger Stress – selbst unter herausfordernden Bedingungen
Eine weitere Möglichkeit ist die intelligente Verknüpfung von Sensor- und Fahrwerksdaten. Dabei macht sich der Technologiekonzern seine aufgebaute Systemkompetenz zu Nutze: Während eine Kamera allein Schnee nur als einheitliche Fläche erkennt, kombiniert ZF die Kameradaten mit Fahrwerkssignalen wie Reifenschlupf und Drehmomentanstieg. So kann AI Road Sense zwischen tiefem und flachem Schnee unterscheiden und das Fahrwerk optimal auf die jeweilige Situation einstellen.
Auch auf schwierigem Untergrund – etwa beim Anfahren auf Eis oder Schnee – unterstützt AI Road Sense: Erkennt das System einen rutschigen Untergrund, wird automatisch der sogenannte „Snow Start“ aktiviert: Das Fahrzeug fährt mit reduziertem Drehmoment an, um ein Durchdrehen der Räder und ein Rutschen der Reifen zu verhindern. Im Offroad-Bereich nimmt AI Road Sense dem Fahrer schwierige Entscheidungen ab. Mithilfe von künstlicher Intelligenz erkennt das System die Tiefe und Festigkeit des Untergrunds – ob Matsch, Sand, Felsen oder Schnee – und wählt automatisch die optimale Antriebsstrategie. Allrad und Differenziale werden intelligent vorverriegelt, um auch in tiefen Löchern die Kraft optimal zu verteilen.
AI Road Sense arbeitet dabei stets im Hintergrund – ohne, dass der Nutzer Fahrmodi kennen oder einstellen muss. Beim Wechsel von der Schotterpiste auf die Autobahn schaltet das System beispielsweise sofort auf einen leisen, energiesparenden Modus. Das Ergebnis: maximaler Komfort und höchste Effizienz, ohne dass der Fahrer eingreifen muss.
Mit KI zum maßgeschneiderten Fahrgefühl
Für ein individuell zugeschnittenes Fahrerlebnis kann das System eine Fahrer-Erkennung aktivieren. Gas-, Brems- und Lenkeingaben des Fahrers werden dabei in Echtzeit mit fahrzeuginternen Faktoren – zum Beispiel, ob Kinder mit im Auto sitzen – und -externen Faktoren – zum Beispiel Außentemperatur – analysiert. Auf Basis dieser Daten kann die KI den Fahrstil und die Präferenzen des Fahrers vorhersagen. Damit ermöglicht AI Road Sense über das Fahrwerk und das Antriebssystem ein hochgradig personalisiertes und adaptives Fahrerlebnis.
„AI Road Sense ist ein bedeutender Schritt in Richtung intelligenter, softwaredefinierter Mobilität“, betont Holdmann. „Durch die Kombination vorausschauender Sensorik mit einer fortschrittlichen Steuerung bieten wir ein Fahrerlebnis, das komfortabel und hochgradig personalisiert ist.“
Active Noise Reduction: Der Klang des Fahrwerks von morgen
ZF präsentiert außerdem erstmalig eine Software-Funktion zur aktiven Geräuschreduzierung im Fahrzeuginnenraum. Wenn die Luftsäule im Reifen in Schwingung gerät, entsteht das sogenannte „Cavity Noise“. Diese Geräusche werden über Fahrwerkbauteile wie Querlenker und Dämpfer direkt ins Fahrzeuginnere übertragen. Die „Active Noise Reduction“-Funktion minimiert diese störenden Reifengeräusche im Innenraum wirkungsvoll – ohne zusätzliche Hardware zur Geräuschdämmung. Möglich wird dies durch die nahtlose Zusammenarbeit der neuesten Generation des ZF Smart Chassis Sensors mit der semiaktiven Dämpfung CDC, deren Zusammenspiel präzise von der ZF-eigenen Software cubiX gesteuert wird. Bereits in der aktuellen Version werden Pegelreduktionen von mehr als drei Dezibel erreicht – ein deutlich hörbarer Unterschied für die Insassen. Perspektivisch sind bis zu zehn Dezibel möglich. Die Serienproduktion ist für 2028 geplant. In Zukunft kann die Softwarefunktion auch bei weiteren ZF-Aktuatoren zum Einsatz kommen.
„Unsere umfassende Systemkompetenz ermöglicht es uns, mechatronische Aktuatoren mithilfe intelligenter Algorithmen so weiterzuentwickeln, dass unsere Kunden von spürbar erhöhtem Komfort, Sicherheit und Effizienz profitieren. Zukünftig werden wir unseren softwarebasierten Steuerungsansatz konsequent auf weitere ZF-Aktuatoren ausdehnen. Unser klares Ziel ist es, mechatronische Aktuatoren mithilfe modernster Software weiter so zu optimieren, dass sie nicht nur ihre eigenen, sondern auch externe Geräuschquellen wirkungsvoll reduzieren – für ein spürbar ruhigeres und komfortableres Fahrerlebnis“, betont Holdmann.
Die digitale DNA der Mobilität: Das Auto denkt mit
Mit Softwarelösungen wie cubiX sowie intelligenten Funktionen wie „AI Road Sense“ und „Active Noise Reduction“ führt ZF seine Chassis 2.0-Strategie konsequent fort: „Die Zukunft der Mobilität wird durch die intelligente Vernetzung von Fahrzeugen, die rasante Entwicklung des automatisierten Fahrens und die zunehmende Bedeutung von Software als Innovationstreiber geprägt sein“, sagt Holdmann. „ZF liefert dafür nicht nur die Hardware. Wir unterstützen unsere Kunden bereits heute, die digitale DNA ihrer Fahrzeuge mithilfe unserer Expertise zu gestalten.“