Presseinformation
ZF beschleunigt seinen Restrukturierungskurs
- Technologiekonzern erwirtschaftet im ersten Halbjahr 2025 einen Umsatz von 19,7 (2024: 22) Milliarden Euro
- Bereinigte EBIT-Marge steigt auf 4,4 (2024: 3,5) Prozent
- Cashflow und Ergebnis sowie allgemeine Wettbewerbsfähigkeit verbessert, Performance-Programme zeigen Wirkung
- Strategische Neuausrichtung wird beschleunigt
Friedrichshafen. Der Technologiekonzern ZF beschleunigt sein Restrukturierungsprogramm und seine Neuausrichtung. Damit reagiert das Unternehmen auf die nochmals erschwerte Lage auf den Automotive-Märkten und passt seine Kapazitäten an das Marktumfeld an. Gleichzeitig werden die ersten Erfolge der Performance-Programme sichtbar. Im ersten Halbjahr 2025 stieg das bereinigte EBIT auf 874 Millionen (2024: 780 Millionen) Euro. Dies entspricht einer deutlich höheren bereinigten EBIT-Marge von 4,4 Prozent (2024: 3,5 Prozent). Der Umsatz lag mit 19,7 Milliarden (2024: 22 Milliarden) Euro deutlich unter dem Vergleichswert des Vorjahres. Der starke Rückgang resultiert im Wesentlichen aus einem Einmaleffekt: Seinerzeit war der Geschäftsbereich Achsmontage, der inzwischen in das Joint Venture ZF Foxconn Chassis Modules GmbH eingebracht wurde, noch Teil des ZF-Konzerns. Organisch reduzierte sich der Umsatz um knapp zwei Prozent.
„ZF befindet sich im umfassendsten Umbau seiner Geschichte. Wir richten das Unternehmen konsequent an Ertragsstärke, Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit aus“, sagte der Vorstandsvorsitzende Dr. Holger Klein bei der Vorlage der Finanzkennzahlen für das erste Halbjahr 2025 am Donnerstag in Friedrichshafen. „Wir sind uns im Klaren, dass wir dabei den Menschen bei ZF viel abverlangen. Wir handeln mit großer Verantwortung und so sozialverträglich wie möglich. Klar ist aber auch, dass sich unsere Industrie in einer historisch schwierigen Lage befindet, die unseren Turnaround erschwert. Dennoch greifen unsere Maßnahmen zur Verbesserung der Performance und Neuaufstellung unseres Unternehmens. Wir haben höhere Ergebnisbeiträge erzielt – trotz sinkender Umsätze. Die global stagnierende Fahrzeugproduktion, der schleppende Hochlauf der Elektromobilität und Unsicherheit durch die US-Zollpolitik bedeuten geringere Umsätze und steigende Kosten. Dem begegnen wir und beschleunigen unser Restrukturierungsprogramm. Damit ist ZF auf einem zwar schwierigen, aber erkennbar richtigen Weg.“
Klein betonte, dass ZF seit Anfang 2023 schon wesentliche Schritte im Sinne seiner Strategie „Stärken stärken“ gemacht habe. Gestärkt werden Bereiche mit positiven langfristigen Perspektiven wie die Division Chassis Solutions, die Nutzfahrzeug- und die Industrietechnik sowie das Servicegeschäft. Technologien wie beispielsweise die autonomen Shuttles werden nicht mehr weiterverfolgt. Um in allen Bereichen effizienter zu werden, werden die bestehenden Performance-Programme für Pkw und Nutzfahrzeuge zusammengefasst, in eine dauerhafte Performance-Organisation überführt und auf das gesamte Unternehmen ausgeweitet. Auch Unternehmensstrukturen werden überprüft und angepasst. Zudem wird bei jeder Produktgruppe geprüft, ob sie ihre Kapitalkosten verdient. Daraus resultieren weitere Bereinigungen des Produktprogramms.
Strukturelle Anpassungen werden weiter fortgesetzt
Teil der strukturellen Veränderungen des Unternehmens ist, dass ZF für die profitabel arbeitende Division Elektronik und Fahrerassistenzsysteme Optionen prüft, wie sich durch Kooperationen oder Partnerschaften neue Chancen erschließen lassen. „Ein spezifisches Restrukturierungsprogramm benötigt die Division Elektrifizierte Antriebstechnologien, um wieder in die Erfolgsspur zu kommen und langfristig wettbewerbs- und zukunftsfähig zu sein“, sagte Klein. Das umfasse eine konsequente Ausrichtung der Personalkapazitäten am zukünftigen Bedarf; die Bewertung, an welchem Standort welche Produkte kostendeckend produziert werden können und auch die Entscheidung, welche Produkte selbst gefertigt oder von externen Lieferanten bezogen werden. „Uns ist bewusst“, betonte Klein, „dass dazu auch erneute schmerzhafte Entscheidungen gehören werden. Wir gehen diesen Prozess mit hohem Verantwortungsbewusstsein an, um die bestmöglichen Lösungen für die Beteiligten zu finden.“
Abgeschlossen wurde derweil die operative Ausgliederung von ZF Lifetec, der früheren Division Passive Sicherheitstechnik. Sie agiert als eigenständiges Unternehmen erfolgreich am Markt. Da für einen Börsengang oder eine Partnerschaft das aktuelle wirtschaftliche Umfeld allerdings nicht ideal ist, hält sich ZF weiterhin alle strategischen Optionen für die bestmögliche Entwicklung des Unternehmens und seiner Mitarbeiter offen.
Personalkapazität wird sukzessive reduziert
Bereits im Juli vergangenen Jahres hatte ZF angekündigt, die Standortstruktur in Deutschland neu auszurichten und seine Personalkapazitäten an die weiterhin erwartbar schwächere Marktnachfrage anzupassen. Zum 30. Juni 2025 beschäftigte ZF weltweit 157.845 Menschen, das sind gut zwei Prozent weniger als am Vorjahresende (161.631). In Deutschland verringerte sich die Mitarbeiterzahl in demselben Zeitraum nominell ebenfalls um 2,6 Prozent auf 50.683 (Ende 2024: 52.027).
Betrachtet man die Personalkapazität in Vollzeitäquivalenten (FTE), hat ZF seit Anfang 2024 weltweit 11.200 FTEs abgebaut, davon 5.700 FTEs in Deutschland. Zusätzlich sind für weitere 4.700 FTEs bereits Altersteilzeitverträge vereinbart oder die Mitarbeiter gehen planmäßig in den Ruhestand. „Wir kommen hier voran und wollen diese Reduzierung weiterhin so weit wie möglich sozialverträglich vornehmen“, sagte Klein. Gleichwohl ließen sich angesichts der hohen Marktdynamik an einzelnen Standorten oder Unternehmensbereichen auch betriebsbedingte Kündigungen nicht ausschließen.
Verbesserung in den einzelnen Kennzahlen erreicht
ZF hat von Januar bis Ende Juni 2025 einen Umsatz von 19,7 Milliarden (2024: 22 Milliarden) Euro erwirtschaftet; ein Rückgang von 10,3 Prozent. Bereinigt um Wechselkurs- und M&A-Effekte, lag der Umsatz organisch um 1,7 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der ZF-Konzern verzeichnet dabei ein bereinigtes EBIT von 874 Millionen (2024: 780 Millionen) Euro, was einer bereinigten EBIT-Marge von 4,4 Prozent (2024: 3,5 Prozent) entspricht. Der bereinigte Free Cashflow beträgt 465 Millionen (2024: minus 494 Millionen) Euro. „Der Free Cashflow hat sich im Jahresvergleich durch eine optimierte Performance sowie stark fokussierte Investitionen um etwa eine Milliarde Euro signifikant verbessert. Dies schafft zusätzliche Handlungsspielräume für unser Unternehmen“, sagte Finanzvorstand Michael Frick.
Die Nettoverbindlichkeiten beliefen sich zum 30. Juni 2025 auf rund 10,5 Milliarden Euro. Der Leverage betrug zu diesem Stichtag 3,21x. Der Liquiditätsspielraum liegt bei rund acht Milliarden Euro. Dazu zählt auch die nicht in Anspruch genommene revolvierende Kreditlinie (RCF) in Höhe von 3,5 Milliarden Euro mit einer Laufzeit bis 2029.
Finanzierungsaktivitäten schaffen Sicherheit
Im ersten Halbjahr 2025 hat ZF erfolgreich eine Anleihe mit einem Gesamtvolumen von 1,25 Milliarden Euro und einer Laufzeit von fünf Jahren begeben. „Die Platzierung ist im Markt auf sehr großes Interesse gestoßen. Dies unterstreicht das anhaltende Vertrauen der Investoren in ZF“, betonte Frick. „Die neue Anleihe gibt uns für die nächsten Jahre Planungssicherheit und mehr Zeit für die strategische Neuaufstellung des Unternehmens.“
Ausblick: ZF auf der IAA Mobility in München
In seinem Ausblick verwies Vorstandsvorsitzender Klein auf den ZF-Auftritt auf der IAA Mobility in München. Vom 9. bis 12. September ist ZF auf dem Messegelände der bayerischen Landeshauptstadt (Halle A1, Stand D30) vertreten. Im Mittelpunkt des Auftritts steht unter anderem das Chassis-2.0-Konzept – so nennt ZF seinen Technologie-Ansatz, der dank intelligenter und vernetzungsfähiger Aktuatoren neue Fahrwerkfunktionen mittels Software möglich macht. Eine zentrale Rolle spielen dabei die By-Wire-Lösungen von ZF, bei denen insbesondere Bremsen und Lenkungen keine mechanische Verbindung mehr zwischen Lenkrad und Lenkgetriebe oder zwischen Bremspedal und Bremse haben.
Im Bereich hybrider und rein elektrischer Antriebsstränge präsentiert der Technologiekonzern die neue E-Antriebsplattform SELECT, die Pkw-Herstellern variantenreiche System- und Komponentenlösungen erlaubt. Weitere Highlights sind die neuen Electric-Range-Extender-Systeme, die E-Autofahrern die Reichweitenangst nehmen können, und ein Konzept des erfolgreichen ZF-Achtgang-Automatgetriebes, das eine bessere Effizienz und mehr Flexibilität für verschiedene Hybridplattformen bietet.