Presseinformation
Kunststoffrecycling im Automobilbau: ZF gewinnt MATERIALICA Award
- Vom Altteil zur neuen Stabilisator-Anbindung: Projektteam testet erfolgreich den Einsatz von Polyamid 6 aus ausgedienten ZF-Getriebeölwannen
- Seriennahe Erprobung auf bestehenden ZF-Produktionsanlagen bestätigt technische Verarbeitbarkeit des aufbereiteten Materials
- Technologiekonzern verantwortet im Projekt Materialauswahl, Bauteilkonzept, Fertigungsversuche und die seriennahe Validierung
Friedrichshafen/München. Gemeinsam mit BASF und Mercedes-Benz hat ZF gezeigt, wie Polyamid 6 (PA6) aus ausgedienten Getriebeölwannen zu einem neuen, technisch anspruchsvollen Fahrwerkbauteil wird. Das Ergebnis: ein Stabilizer Link – eine Stabilisator-Anbindung für das Fahrwerk – aus hochwertigem Polyamid 6, dessen Polymeranteil zu 100 Prozent aus Rezyklat besteht. Für die im Projekt geleistete Forschung ist ZF nun mit dem MATERIALICA Award 2026 in der Kategorie „CO₂-Efficiency“ ausgezeichnet worden.
„Wir konnten im Projekt zeigen, dass Kreislaufwirtschaft im Automobilbau möglich ist – ohne Kompromisse bei Qualität oder Performance. Die Auszeichnung würdigt diesen Erfolg“, sagt Dr. Michael Lohrmann, Leiter des Bereichs Werkstofftechnik bei ZF.
Ausgangspunkt waren gebrauchte ZF-Getriebeölwannen, welche bisher als kontaminierter Abfall behandelt werden. Es handelt sich um Bauteile aus Fahrzeugen, die das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben und nicht mehr im regulären Betrieb verwendet werden – sogenannte End-of-Life-Fahrzeugkomponenten (EoL). Die Teile wurden bei BASF depolymerisiert, also in ihre Ausgangsbausteine zerlegt, aufgereinigt und zu einem hochwertigen Kunststoffmaterial verarbeitet. Die Auswahl des passenden Materialsystems sowie die Festlegung des Demonstratorbauteils erfolgten am ZF-Kunststofftechnologiezentrum in Dielingen in Kooperation mit dem Bereich „Materials Technology“, einer Einheit der zentralen Forschung und Entwicklung in Friedrichshafen. Dort wurden auch vergleichende Fertigungsversuche durchgeführt, bei denen das recycelte Material mit dem standardmäßigen Material von BASF an Probekörpern getestet wurde.
Die seriennahe Erprobung des Materials an der Stabilisator-Anbindung – einem Bauteil für den Kunden Mercedes-Benz – bestätigte die technische Machbarkeit und die hohe Qualität des Rezyklats: „Damit haben wir mit unseren Projektpartnern einen konkreten werkstofflichen Kreislauf von einem ZF-Altteil zu einer neuen ZF-Fahrwerkkomponente erprobt“, sagt Lohrmann.
Starke Partnerschaften als Erfolgsfaktor
Das ausgezeichnete Projekt ist das Ergebnis der engen Zusammenarbeit von ZF mit BASF und Mercedes-Benz. Gemeinsam konnten erstmals reale Automobilbauteile aus recyceltem PA6 entwickelt und im Pilotmaßstab erfolgreich validiert werden. ZF verantwortete die Auswahl des Materialsystems und des Demonstratorbauteils sowie Fertigungsversuche und die seriennahe Erprobung. BASF übernahm die Depolymerisation und Aufbereitung des Polyamids. Die Stabilisator-Anbindung wurde für die Anwendung bei Mercedes-Benz untersucht. Das Projekt zeigt, wie innovative Recyclingtechnologien und industrieübergreifende Kooperationen die Kreislaufwirtschaft für technische Kunststoffe voranbringen können.